Arbeitsgruppe "Pränatale Diagnose - was tun?"

verfasst von

Dr. Harald Gründling


Gruppenleitung: Prof. Dr. Elisabeth HERZ

Mit der zunehmenden Ausweitung der Möglichkeiten der Pränataldiagnostik und insbesondere durch die Einführung neuer Risikoindikatoren (Nackentransparenz, Combined test, Triple-Test) gelingt es uns nun häufiger, ein gesundes Neugeborenes mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu prognostizieren. Andererseits kann es im Verdachtsfall durch die biochemischen Blutmarker und diverse sonografischen Hinweiszeichen zu einer außergewöhnlichen Belastung der Schwangeren, ihres Partners und des betreuenden Arztes kommen. Wir erleben heute im allgemeinen eine hohe Akzeptanz der PND bei den werdenden Eltern und gleichzeitig eine Unterschätzung des damit verbundenen Risikos.

Das Dilemma eines Verdachtes auf eine Fehlbildung oder Chromosomenanomalie führt oft zu einer nonverbalen Polarisierung der Partner hinsichtlich der anzustrebenden Problemlösung, zusätzlich entsteht durch die Wartezeit bis zur sicheren Bestätigung eines Befundes eine emotionale Distanzierung zum Feten, sodass selbst bei einem späteren Normalbefund (z.B. durch Amniozentese) das postpartale Bonding gestört bleibt. Empfohlen wird daher für diese kritische Zeit eine intensive verbale "Auseinandersetzung" der Partner über die einzelnen Pros und Cons, ein Auflisten der eigenen Werteskala, auch das Aufheben der schriftlichen Aufzeichnungen und Entscheidungsgründe für spätere Reflexionen. Wichtig für den behandelnden/beratenden Arzt ist außerdem das Erkennen und Ablehnen von etwaigen Anfragen zur Entscheidungsabnahme, die bei Fragen wie "Was ist Ihre Meinung? Was würden Sie tun?" zum Ausdruck kommen. Weiters sollen Einflussfaktoren wie rational-emotionale Reaktionsfähigkeit der Partner, familiäres und soziales Umfeld, berufliche Vorstellungen, Erwartungen an die Schwangerschaft, etc. artikuliert und berücksichtigt werden.

Weitere Themen unserer Arbeitsgruppe waren die Problematik des Verlustdenkens im Sinne einer "Loch"-Fokussierung ("Schweizer Käse"), die Situation des Ersatzkindes bei noch nicht abgeschlossener Trauerarbeit, die genaue Klärung des individuellen Behandlungsauftrages (nicht mehr diagnostizieren als gewünscht), die Möglichkeit der Selbstdisqualifikation bei unangebrachten Leistungsansprüchen, sowie die besondere Entscheidungproblematik bei einer Trisomie-21-Diagnostik (Interruptio bei unauffälliger Echokardiographie?).

Die Atmosphäre in der Gruppe war durch viele lebendige und interessante Diskussionen geprägt, sicherlich auch ein Verdienst von Frau Prof. Herz aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung und ihrer charismatischen Ausstrahlung.


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