Arbeitsgruppe "Risiko Intimität - Verleugnen oder Wagen?!"

Gruppenleitung: Ulrike Brandenburg

Dr. Ulrike Brandenburg ist Ärztin für Psychotherapie (systemische Familientherapie), Leiterin einer sexualwissenschaftlichen Ambulanz (Psychiatrie Aachen) und Lehrtherapeutin der deutschen Gesellschaft für Sexualforschung.

Gruppensitzung in einem "Durchgangszimmer" im Schloss Esterhazy zum Thema Intimität: 15 TeilnehmerInnen aus unterschiedlichen medizinisch-gynäkologischen und psychosomatisch-psychotherapeutischen Kontexten; in der Frauen-dominierten Gruppe auch zwei Gynäkologen. Einstieg mit einer kurzen Reflexion: "Was hindert mich am Ansprechen von intimen Themen? Welche eigenen Ängste haben wir? Kennen wir sie? Verstehen wir sie?"

Frau Brandenburg (UB) macht uns mit ihrer schwungvollen Art Mut, Konkretes zu benennen: wir üben im Rollenspiel (Thema: Frau mit Vaginismus und Kinderwunsch):
Eine Kollegin wird spontan von UB eingeladen, die Therapeutin darzustellen und viele in der Gruppe arbeiten intensiv mit: "Bleiben Sie dran, machen Sie eine genaue (Sexual-)Diagnostik, trauen Sie sich..."(wertschätzende Führung von UB) - und doch braucht es Überwindung und Zeit, auszusprechen, nachzufragen, bei den Details zu bleiben, nach Ausnahmen zu fragen usw.
Die Haltung, die wir bei UB erleben, ist die einer Wertschätzung gegenüber dem Symptom (und der Person dahinter): "das Symptom darf sein"; "lassen Sie die PatientIn (KlientIn) mitentscheiden, nicht gleich mit Aufgaben pushen!"

Nicht immer ist in einer gynäkologischen Praxis Zeit, Intimes anzusprechen. Wir können aber vielen Frauen einen Satz (und damit eine Haltung) vermitteln:
"Sollten Sie Probleme mit Ihrer Sexualität haben, finden Sie bei mir ein offenen Ohr".

Wir üben weiter mit einem multikulturellen Thema, das eine Kollegin von Pro Familia Berlin einbringt: Zustand nach Vergewaltigung einer türkischen Frau mit Schwängerung und Wunsch nach Indikationslösung; im Rollenspiel sind wir bald in der Dynamik dieses Systems drinnen. In einigen Sätzen berichtet uns UB von ihrer therapeutischen Arbeit bei Zustand nach sexueller Gewalterfahrung: im Zuge des therapeutischen Prozesses das genaue Ereignis anschauen und aussprechen lassen,... die Schuld zurückgeben (unter Zuhilfenahme eines Genogramms)... und behutsam nach und nach den eigenen Körper wieder hereinnehmen (im Sinne eines "Wieder-Annehmens").

Ähnlich wie eine Patientin am Ende der Ordination wollen einige von uns (Frauenärztinnen) am Ende der letzten Gruppensitzung noch Tipps zum Umgang mit der (weiblichen) sexuellen Unlust: neben der Frage nach Ausnahmen und einer genauen Diagnostik ("schauen Sie sich den letzten GV genau an") geht es darum, Frauen zu motivieren, ihre Lust zu gestalten; aber :"die Lust fällt nicht vom Himmel!"

Wir haben lustvoll erlebt, dass Intimität in einem für jede(n) individuellen Maß gewagt werden kann. Ulrike Brandenburg hat die richtige Balance zwischen aktivem Üben und Zeit für persönliche Reflexion und Selbsterfahrung gefunden. Herzlichen Dank!
(PS: Tenor in der Gruppe: "Fortsetzung gewünscht")

Dr. Roswitha Binder-Weinberger (Wels, Jänner 2003)


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